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Lässt Sich Der Tod Ins Leben Lachen?   –   Blogparade Im Totenhemd Blog

„Lässt sich der Tod ins Leben lachen?“

Was für eine Frage…?! Ehrlich gesagt bin ich mir wirklich nicht sicher, ob das meine heimlichste Frage zum Thema Tod ist…. Doch sie fiel mir sofort ein, als ich von der Blogparade im Totenhemd Blog erfahren habe.

Damals….

Wie um alles in der Welt komme ich zu einer solchen Frage?

Im Mai 2010 war mein Leben innerhalb weniger Stunden in den Ausnahmezustand gerutscht. Meine Mutter lag auf Intensivstation im künstlichen Koma. Wenige Stunden nach einer „normalen“ Bypass-OP zeigte sie wohl erste Anzeichen von Schmerzen, worauf „man“ ihr Novalgin verabreichte.
Kein Hinweis am Krankenbett – kein Blick in die Patientenakte, dass die Patientin hochallergisch gegen dieses Schmerzmittel war. Allergieschock, zweite OP in der Nacht, künstliches Koma… der Beginn eines Sterbeprozesses von drei Monaten…

Weitere drei Monate nach ihrem Tod war ich bei einem Kursabschnitt meiner Langzeitfortbildung Playing Arts. Was ich den Tag über gewerkelt, experimentiert, erträumt oder auch in Realität umgesetzt habe – das mündet am Ende eines Tages in einen sog. Performance Park. Jede/r bringt eine praktische Spur seiner Tagestätigkeiten mit. Und in einem umgrenzten Rahmen kommen wir miteinander und unseren Spuren ins Spiel.

Aus dem Augenblick eines solch kreativen Miteinander’s ploppte bei mir der Satz auf: „Lässt sich der Tod ins Leben lachen?!“
Mitten aus meinem persönlichen Trauerprozess und der inneren Frage, wie ich mit diesem Tod leben werde, wie überhaupt wieder „Leben“ in meine still gelegten Lebensbahnen zurück kehrt, kamen diese Worte.
Ich habe ihnen „nach gehört“, sie in mir klingen lassen…. Ich hatte wohl Ahnungen dazu, die aber mittlerweile im Vergessen untergegangen sind.

Heute….

Anlässlich der Blogparade zeigt sie sich wieder diese seltsame Frage.
Heute – 7 Monate nach dem Tod meines bisher besten Lebens-Freundes, der immer treu und verlässlich an meiner Seite war – und jetzt: für Euch alle da draußen.

Ich habe mich gefragt: was ist für mich „Tod“ und was bedeutet „lachen“?

„Tod?“ – der heilige Franz von Assisi hat ihn einen Bruder genannt. Ein anderer weiser Mensch (leider habe ich mal wieder den Namen vergessen) spricht von der „geheimnisvollen Abwesenheit“ der Toten. Er ist und doch auch nicht.
Bei den Menschen, die mir sehr nahe gewesen sind, kann ich nur sagen: ja sie sind nicht mehr greifbar für mich da – und doch spüre ich sie und ihre Sorge um mich mehr als deutlich. Sie sind da – auf gewandelte Weise und sehr klar.
Also doch: Tod ist nicht?

„Tot“ – das Eigenschaftswort macht es mir etwas leichter: das Unlebendige, Abgestorbene, was in mir nicht leben kann (oder darf? – oder will?) – abgestorbene Beziehungen, verlorene Hoffnungen, verlorene Lebensmöglichkeiten…
Zuviel davon lässt uns sterben bei „lebendigem Leibe“.

„Lachen“ dagegen ist für mich der Inbegriff von Vitalität, Ausdruck von Lebensfreude und Lebenslust, Hoffnung, Glück und absolut Gemeinschaft stiftend.
Dann klingt für mich die Frage schon anders: lässt sich das, was tot schien, abgestorben, verloren… neu ins Leben holen, verlebendigen, wieder finden und beleben??

Meine persönlich Antwort gewachsen aus vielen Lebenserfahrungen: JA.
Indem ich es ins Spiel bringe!! (gerade sehe ich ein paar Menschen schmunzeln)… Totes oder gar den Tod ins Lebens-Spiel bringen, mutig, wagemutig, lustvoll, heiter und bei allem Ernst mit einem Lachen, eben jenem Lachen, das selbst den Tod nicht todernst nimmt, sondern weiß, dass er eingeborgen ist in ein unzerstörbares Leben.

Christlicher Auferstehungsglaube und mein Verwurzelt-sein im Geheimnis des göttlichen Lebens – das lässt mich den Tod ins Leben lachen – auch und vor allem den Eigenen.

 

Bildnachweis: eigen, Mutters Wollfäden im Playing Arts Spiel

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare
  1. Liebe Gabriele,

    ein sehr schöner Bericht zu dem Thema Tod, wie man ihm begegnen und mit ihm Leben kann. Leider wird der Tod als etwas „unnahbares“, etwas „endgültiges“ in unserer Gesellschaft wahrgenommen. Dadurch entstehen Trauer und Angst. Vielen Dank für ihre Betrachtungsweise auf dieses Thema, diese ist eine Bereicherung für mich.

    Mit besten Grüßen
    Oliver

    1. Lieber Oliver, leider habe ich Dein Feedback eben gerade erst gelesen. Vielen DANK dafür!
      Es macht mich immer wieder dankbar, wenn ich durch meine ERfahrungen für andere Menschen
      einen Mehrwert bewirken kann!
      Und es ermutigt mich, mehr darüber zu teilen.

      Einen herzlichen Gruß
      Gabriele

  2. Liebe Frau Panning, welch ein bewegender Beitrag. Und wie tröstlich gleichzeitig. Den Tod ins Spiel des Lebens holen – interessanterweise verliert das Leben dadurch in meiner Vorstellung an Schwere. Indem der Tod da sein darf, darf auch das Leichte sein – so kommt es mir vor.
    Danke schön für Ihren Beitrag.

    1. Danke, liebe Frau Birkner, für Ihre gute Rückmeldung! Ich habe sie erst heute gelesen.
      Den Gedanken, den Sie hinzufügen, finde ich sehr nach-denkens-wert.. Ich werde das mit mir gehen lassen.
      Es berührt mich sehr, wie „lebendig“ das Sprechen über den Tod ist und der Austausch unserer Gedanken.
      Danke Ihnen und lieben Gruß
      Gabriele Panning

  3. Liebe Gabriele, dieser Bericht ist sehr bewegend. Danke für den Einblick in diese für Dich schwere Zeit. Deine Verarbeitung der Trauer kann anderen Mut machen. Den Tod ins Lebens-Spiel bringen – das ist mutig. Durch den Auferstehungs-Glauben eingebettet in ein unzerstörbares Leben – ja das glaube ich auch. Und dieser Glaube hilft uns im Leben und gibt ihm auch eine gewisse Leichtigkeit.
    Vielen, vielen Dank.
    Eveline Stalder

  4. Liebe Gabriele, danke für diese wunderbaren Gedanken. „dass er eingeborgen ist in ein unzerstörbares Leben“ – was für eine poetische Beschreibung! Vier Monate nach dem Tod meines Vaters empfinde ich es genau so – und ecke damit vielfach an. Herzliche Grüße, Christine

    1. Liebe Christine,
      dank Dir sehr für Deine berührende Rückmeldung!
      Für Deinen eigenen Trauerprozess wünsche ich Dir viel liebevolle Geduld. Der hat so seine eigene Dynamik.
      Und es ändert nix an der darunter liegenden Erfahrung von Verbundenheit und einer „anderen Lebendigkeit“.
      Bleib behütet!
      Gabriele

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