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Am Tropf Des Lebens

Mich treiben die vielen, vielen Bilder und Meldungen um über unzählige Menschen, die aus entsetzlichen Lebensumständen aus Krieg, Hunger, Verfolgung, Vertreibung in die vermeintliche Sicherheit nach Europa aufgebrochen sind.

Wenn sie überhaupt bis hierher kommen, warten weitere Erfahrungen von Unsicherheit, Ablehnung, Gefährdung, Verfolgung, Fremdenhass.

Bei allen Schwierigkeiten bleibt ohne Frage sehr wichtig, im Blick zu behalten, wie viele Menschen sich selbstlos, uneigennützig, mit Zeit, Geld, Sachspenden und all ihren Kräften für sie einsetzen!

Wie es ebenso wichtig bleibt, mit wacher Aufmerksamkeit die politischen und gesellschaftlichen Strömungen zu beobachten, die sich jetzt neu herausbilden, formieren und ihre Koalitionen bilden. Einfache Rezepte wird es in dieser Komplexität nicht mehr geben. „Nur“ ein waches, intuitives und spontanes, am Menschen orientiertes Hindurch-Navigieren!

Und es gibt eben auch diese andere Seite der Abschottung.
 Wieder werden Mauern gebaut.

Wieder werden Menschen wie Objekte hin- und hergeschoben und wie eine „lästige Sache“ behandelt und eben nicht wie Menschen mit menschlichem Antlitz.

Wieder zieht etwas am Horizont auf, das bedrohlich an die frühen 20iger Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert.
Ich empfehle an dieser Stelle einen Beitrag in der neuesten Ausgabe von Publik Forum Nr. 16 (vom 28.08.2015, S.16)

In einem Blogbeitrag vom 26. Oktober 2013 habe ich im Zusammenhang mit meinem damaligen Hörsturz folgende Erfahrung beschrieben:

Wir hängen alle an einem Tropf
Die Cortison Infusionen bekam ich in einem dafür reservierten Raum in der Praxis des HNO. Weiße kleine Sesselchen, der Ständer mit vier verschiedenen Hängevorrichtungen für die Infusionsflaschen. An einem meiner letzten Tage saß ich dort zusammen mit einer jungen Frau. Sie von mir aus gesehen links, zwischen uns der Ständer, jede von uns mit einer Kanüle im Arm – so kamen wir ins Gespräch.

Sie war 17 (!) und hatte den Hörsturz aufgrund einer akuten Erkältung zunächst gar nicht als solchen erkannt.  …  Sie fragte nach meinem Beruf. Ich erzählte, dass ich katholische Theologin und Seelsorgerin sei. Wir sprachen über Glauben, Offenheit, Respekt vor anderen Glaubenshaltungen. Dann erzählte sie, dass sie Muslima sei.
„Wir werden alle allein geboren und sterben allein“ war ihr beeindruckender Satz, der mich begleitet hat. Zusammen mit dem Bild: eine katholische Seelsorgerin und eine Muslima – verbunden durch den Ständer mit den Infusionsflaschen. …“

Und ein weiterer Hinweis auf Publik Forum Nr. 16: der Artikel „Unter die Haut – Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach“ (S.40ff).

Was sich mir darin zeigt:

>  Wir alle hängen am „Tropf des Lebens“. Wir leben aus derselben Quelle lebensschaffender Energie. Wir alle benötigen An-gesehen-werden, Wertschätzung, Respekt, Raum für das eigene Leben, Entfaltungsmöglichkeiten und vor allem: Liebe. Immer – ja immer schulden wir einander nur das eine: die Liebe.

>   Wir alle sind verletzbar und verletzt – wann/wo und wie auch immer.
Unter der Haut  –   wie immer sie aussieht  –  steckt „mein inneres Kind“ – das Schwache, Hilflose, Missachtete, Übersehene, und auch Geliebte, Umsorgte und wie ein Augapfel Behütete. Es braucht meine Zuwendung und Fürsorge.Facial portrait of african girl.

>   Den „Fremden“ bei mir einzulassen heißt immer auch, mich selber einzulassen auf das, was ich nicht kenne, was mich      vielleicht ängstigt, was ich nicht verstehe. Mich mit Haut und Haaren einlassen und da sein, wo es möglich und erfordert ist  … dann können wir miteinander und voneinander lernen, werden wir Menschen werden auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt. Nur so lernen wir Leben teilen so, dass es mehr wird: mehr Leben für alle.

Das ist der Widerstand, der heute not tut.

 

Bildnachweis:

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